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Der Architekt Christoph Naue

  Architektur der 50er Jahre in Hildesheim

 
Inhaltsverzeichnis


1     Vorwort
2     Lebensläufe
2.1    Christoph Naue
2.2    Heinrich Naue
3     Einstellung zur Architektur und Merkmal   
4     Bauten in und um Hildesheim
4.1    Erlöserkirche in Hildesheim
4.2    Osterstraße 1/2 – Geschäftshaus Wilhelm Stulle
4.3    Roemer-Pelizaeus-Museum
4.4    Landwirtschaftliche Berufs- und Berufsfachschule
5     Weitere Bauten in Kürze
6     Literaturverzeichnis
7     Abbildungsnachweis

 
1    Vorwort


Dieses Referat beschäftigt sich mit dem Architekten Christoph Naue aus Hildesheim. Beginnen werde ich mit einer kurzen Beschreibung des Lebens von Christoph Naue und seiner Einstellung zu Architektur, um anschließend einige wichtige Bauten aus seiner Schaffenszeit vorzustellen. Näher erläutern werde ich die Erlöserkirche, das Geschäftshaus Wilhelm Stulle in der Osterstarße 1 und 2, das Roemer-Pelizaeus-Museum und die Landwirtschaftliche Berufs- und Berufsfachschule
Der Vollständigkeit halber ist noch wichtig zu erwähnen, dass Christoph Naue den größten Teil seiner Lebensleistung in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Heinrich Naue geplant und ausgeführt hat. Zusammen hatten die beiden Brüder ein Büro mit dem Namen: C. u. H. Naue, welches dem BDA (Bund Deutscher Architekten) angehörte. Daher werde ich bei den Lebensläufen auch kurz auf Heinrich Naue eingehen. Im Anschluss an die vorgestellte Objekte, werde ich noch weitere Gebäude aufführen auf die aber im speziellen nicht weiter eingegangen wird.

2    Lebensläufe

2.1    Christoph Naue

Christoph Naue

In etwa genau vor 100 Jahren wurde Christoph Naue am 09.09.1908 in Hildesheim geboren. Auch seine Kindheit und Jugend verbrachte er hier, genauer gesagt in Hildesheim- Himmelsthür, wo auch heute noch das Elternhaus steht. Nach einer Lehre zum Maurer, besuchte er die Staatliche Baugewerkeschule in Hildesheim und machte etwa Ende der 20er Jahre dort seinen Abschluss. Zu beginn der 30er Jahre gründete Christoph Naue zusammen mit einem Partner Namens K. W. Läuscha ein erstes Büro in der Weißenburger Straße in Hildesheim.
Die Kriegsjahre gingen nicht spurlos an ihm vorbei. Lange hatte er versucht sich dem Dienst zu widersetzten, dennoch wurde er 1941 eingezogen. Durch einen Kopfschuss schwer verletzt kam er aber noch vor Kriegsende wieder nach Hause. Jedoch blieb als ewige Schädigung durch den Krieg, die Erblindung des linken Auges.
Nach den turbulenten Jahren des Krieges, gründete Christoph Naue zwischen 1945 und 1946 zusammen mit seinem Bruder Heinrich Naue das Architekturbüro C. u. H. Naue in der Goslarschen Straße 19 in Hildesheim.
Im Jahr 1966 erlitt er einem schweren Herzinfarkt und setzt er sich bald darauf hin in den Ruhestand. Aber auch in dieser Zeit verliert er nie die Liebe zu Architektur. Zwei seiner Söhne führen das weiter, was ihr Vater und ihr Onkel begonnen haben – ein Ingenieurbüro in Hildesheim. Insgesamt hatte er 4 Kinder, eine Tochter und drei Söhne.
Christoph Naue stirbt am 17. Dezember 1986 im Alter von 78 Jahren.

2.2    Heinrich Naue

Wie schon eingangs erwähnt möchte ich auch Heinrich Naue nicht außer Acht lassen. Er beschreitet einen ähnlichen Lebensweg wie sein älterer Bruder. Geboren ist er am 15.03.1915 und besucht nach der normalen Schulbildung ebenfalls die Staatlich Baugewerkeschule in Hildesheim. In den Kriegsjahren gerät er in Gefangenschaft an der Ostfront und kommt dann aber zum Ende des Krieges unversehrt nach Hause. Anschließend gründet er dann mit seinem Bruder das Architekturbüro in der Goslarschen Straße. Heinrich Naue hatte zwei Töchter. Er stirbt am 06.01.1979 im Alter von 64 Jahren.
3    Einstellung zur Architektur und Merkmal

Christoph Naue, war ein moderner und bodenständiger Architekt. Er entwickelte sich stetig weiter und versuchte seine Entwurfstechnik immer zu verbessern. Er selbst beschreibt sich als bodenständiger Architekt und Planer, der jedoch nie versuchte extravagant oder abstrakt zu planen.
Eine sinnvolle und optische Gliederung des Gebäudes war für Ihn sehr wichtig. Daher ist bei den meisten seiner Bauten, und vor allem bei den Wohnungsbauten, diese optische Gliederung durch hervorgehobene Bänder gut abzulesen. Schmale vertikale und horizontale Bänder, die entweder nur farblich oder aber auch plastisch ausgestaltet werden. Diese Bänder erinnern stark an Fachwerkstrukturen, sie sind jedoch in der Planung nicht als solche gedacht worden, sondern lediglich als Mittel der optischen Gliederung.
Ein weiterer wichtiger Gedanke, den Christoph Naue versuchte nie aus den Augen zu verlieren war das so genante „Architektenfenster“. Optische Blickachsen und Blickbeziehungen, wie zum Beispiel die Blickachse Schuhstraße – Huckup – Andreaskirche sind solche Architektenfenster, oder der Blick von der Kreuzkirche in Richtung Erlöserkirche und Dom.
Nach Aussage seines Sohnes, Gerhard Naue, ist Christoph Naue seiner Architektur immer treu geblieben, nur nach dem Krieg ist sein Architekturstiel etwas „moderner“ geworden. Etwas was Christoph Naue nicht mochte, waren Flachdächer. Aufgrund eines vermutlichen Planungsfehlers oder Baufehlers machte er leider eine schlechte Erfahrung mit Flachdächern und daher versuchte er diese Form zu meiden. Wie viele andere Architekten hatten auch die Brüder Naue ihre Vorbilder. Christoph Naue schwärmte von den Bauhausarchitekten und anderen modernen Architekten, wie Alvar Aalto, Le Corbusier, Walter Gropius und viele andere. Noch mehr beeindruckt war er von der Internationalen Bauausstellung in Berlin 1957. Dennoch hätte er nach eigener Aussage nie versucht Bauten zu kopieren, da dies unehrliche Architektur sei.

4    Bauten in und um Hildesheim

4.1    Erlöserkirche in Hildesheim

Trotz Probleme und Einschränkungen bei den ersten Entwürfen der Erlöserkirche, einigte sich die Kirchgemeinde der Evangelischen-freikirchlichen Gemeinde in Hildesheim letztendlich auf den heute zu sehenden Vorschlag. Das Obergeschoss mit dem darin befindlichen Gottesdienst- und Mehrzweckraum ist in Stahlskelettbauweise entstanden. Es ist auf Stahlstützen gelagert und scheint in den Straßenraum zu ragen. Das Untergeschoss ist ein fast reiner Stahlbetonbau und beinhaltet kleinere Räumlichkeiten sowie die Erschließung und die Toilettenanlagen. Im Gegensatz dazu und zur Angleichung an die Bebauung im Brühl, ist das Kopfgebäude in konventioneller Bauart errichtet worden. Feierlich geweiht wurde die Kirche am 09. September 1967.

4.2    Osterstraße 1/2 – Geschäftshaus Wilhelm Stulle

Beim Geschäftshaus Stulle sollten bewusst zwei Bauweisen verbunden werden. Dies ermöglichte Tradition und Moderne unter einem Dach zu vereinen. Zur Hälfte ein mittelalterlicher Gebäudeteil mit einem gotischen Portal und darüber eine kleinteilige Fenstergliederung und auf der anderen Seite ein gerasterter, mit blauem Glas verkleideter Skelettbau. 1950 begannen noch unter der Leitung des Architekten Priess die Ausbauarbeiten der Diele und einem Zwischengeschoss. Das über zwei Jahrhunderte verdeckte Wappen über dem Eingangsportal und das Eingangsportal waren in erster Linie wichtig zu schützen. Im Jahr 1952 wird mit dem Bau der Osterstraße 2 begonnen und es entstehen in den ersten Schritten die untersten Geschosse. Bis 1954/55 bekommt dann das Haus in der Osterstraße 2 seine heutige Gestallt.

4.3    Roemer-Pelizaeus-Museum

Die Planung zum Wiederaufbau des Roemer-Pelizaeus-Museum fand in den Jahren 1952 und 53 statt zur Bauausführung kam es erst im Jahr 1954. Durch die Kriegseinwirkungen war die Bebauung der Museumsinsel stark zerstört worden.
Lediglich das Treppenhaus und die zweigeschossige Giebelwand waren vom Hauptgebäude übrig geblieben. Auch die Umfassungswände der ehemaligen Martinikirche hatten die Zerstörung überlebt. Für den Entwurf war es wichtig, diese Zeugen der Vergangenheit zu sichern und in die Neubebauung mit einzubeziehen. Es sollte eine Synthese von alter und neuer Bauweise dargestellt werden. Im Innern des Gebäudes sind diese Gegensätze jedoch nur wenig vorhanden und nur im Treppenhaus spürbar.
Die Planungsaufgabe bestand darin, ein räumlich gegliedertes Gebäude zu entwickeln in dem die Schätze der wertvollen Ägyptischen Sammlung und der Hildesheimer Silberfund in einem angemessenem Rahmen zur Schau gestellt werden konnten. Auch eine Halle für Veranstaltungen und für Wechselausstellungen waren gefordert, sowie die benötigten Verwaltungsräume des Museums. In einer großen Eingangshalle und in den Sälen des 1. Obergeschosses waren die größeren Plastiken an einem Rundweg untergebracht. Dieser führte auch zu den Grabkammern, die sich im tieferen Zwischengeschoss befanden. Kleinere Fundstücke wurden in Wand- bzw. Raumvitrinen ausgestellt. Im 2. Obergeschoss befand sich der Saal für die Wechselausstellungen und Veranstaltungen.

4.4    Landwirtschaftliche Berufs- und Berufsfachschule

Das Bau- und Raumprogramm für diesen Gebäudekomplex wurde durch den Landkreis Hildesheim und die Landwirtschaftskammer Hannover festgelegt. Grundstückszuschnitt und Gründungsverhältnisse waren die Ursache für eine aufgelockerte Bebauung und daher wurde kein kompakter Baukörper errichtet, wie ursprünglich geplant. Der starken Beeinträchtigung des Unterrichts durch Verkehrslärm der nahe gelegenen Umgehungsstraße konnte durch die Baukörperstellung und Grundrissgestaltung entgegengewirkt werden. Andererseits war die gute Verkehrsanbindung und die kleine angrenzende Grünanlage, die als Pausenfreiraum genutzt wurde, positiv für die Gestaltung des Objektes. Die Baukörper sind in Stahlbeton-Skelettbauweise entstanden und haben jeweils eine verblendete Giebelwand und ein Satteldach. Die Gestaltungsform der neuen Gebäude sollte sich an die bestehenden Gebäude der Kreisberufsschule und der umgrenzenden Bebauung anpassen und mit ihnen eine einheitliche Bebauung bilden.

5    Weitere Bauten in Kürze

Neben einigen großen Objekten gehörten zu den Bauaufgaben von Christoph und Heinrich Naue auch zahlreiche Eigenheime und kleinere Bauten. Vor allem die nach dem Krieg notwendigen Schulbauten in Hildesheim und Umgebung gehörten zum Aufgabenbereich des Büros Naue.
Als Beispiele sind zu Nennen:
Volksschule in Kemme, Barienrode, Groß Düngen und Söhre, außerdem auch die Volksschule in Himmelstür.
Diese Bauten zeichnen sich aus durch kleine und wenige Klassenräume. Heutzutage wird diese Art der Schulbauten nur noch wenig oder gar nicht benötigt und sind daher schon Umgenutzt oder Zurückgebaut.
Wie bei vielen anderen Architekten dieser Zeit gehörten auch Einfamilienhäuser zum ständigen Aufgabenbereich des Büros Naue. Als Beispiel hierfür sind zu nennen, einige Wohnhäuser in Himmelsthür, Geschäftshäuser und Wohnungen in Gronau, Wohnhäuser in der Bismarckstraße und Stephanstraße, Besatzungsbauten in Hildesheim und viele mehr.
Ein Weiter Aufgabenbereich bestand in den Entwürfen der Bebauungspläne, zum Beispiel für einen Bereich in Hildesheim Himmelstür. Diese Planung von 1962 ist auch heute noch auf den Luftbilder sehr gut nach zu vollziehen.
Die Liste der Bauten ist lang, als Abschluss möchte ich noch kurz einige Bauten und Objekte aufführen, die noch nicht erwähnt wurden.

•    Landmaschinenschule in Steuerwald
•    Lagerhalle in Himmelsthür
•    Friedhofkapelle in Groß Düngen
•    Kreisberufsschule in Steuerwald
•    Wiederaufbau der Neustadt
•    Kindergarten bei ST. Lamberti und andere einzelne Objekte

6    Literaturverzeichnis

Aufzeichnungen von Christoph Naue

Gespräch mit Gerhard Naue: In der Schratwanne 19, 31141 Hildesheim

Städteforum - Dokumentation über Stadtentwicklung. Verlag Edgar Hartmann; Osterode, 1976; S. 34, 55, 111

Hügel, Hans-Otto: „…ist im traditionalistischen Sinne wieder aufzubauen!“ - Architektur in Hildesheim – Die 50er Jahre. Hildesheim, 1993


7    Abbildungsnachweis

Städteforum - Dokumentation über Stadtentwicklung. Verlag Edgar Hartmann; Osterode, 1976

Privates Archiv und Fotosammlung von G. Naue

Brock, Heinz-Günther: Hildesheim – einst und heute. Gerstenberg Verlag; Hildesheim, 1984

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