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Villegiatura

– Die Kunst der Muße auf dem Lande


Inhaltsverzeichnis


1 Vorwort

2 Die Villegiatura in Italien

3 Die Flucht aus der Stadt

4 Was macht die Villa aus?

5 Bild und Merkmal der Villa

6 Villa Careggi

7 Villa Medici at Fiesol

8 Literaturverzeichnis

1 Vorwort


In diesem Referat möchte ich mich mit dem Thema „Villegiatura, die Kunst der Muße auf dem Lande“ auseinandersetzen. Zu Begin werde ich einen kurzen Einblick geben, was sich hinter dem Begriff Villegiatura verbirgt. Dann werde ich kurz die Gründe der Entstehung der Villenkultur in Italien im 15 Jahrhundert anführen. Anschließend werde ich mich mit der Frage was die Villa ausmacht auseinandersetzen und die Villa in ihren allgemeinen Merkmalen beschreiben. Als Abschluss habe ich mir noch zwei Villen mit, wie ich finde, wichtiger Bedeutung gewählt, die ich kurz vorstellen werde. Hauptaugenmerk dieses Referates liegt auf den Villen der Toskana.
Es muss aber der Vollständigkeit erwähnt werden, dass sich die Villen in ganz Italien verbreiteten und das sich ihre Funktion als Stätte der Bildung und Erholung vom Stadtleben nicht nur auf die Toskana beschränkt. Auch in den Bereichen um Rom und Venedig gibt es diese Bauten. Allerdings breitet sich die Villegiatura von Florenz ausgehend aus und erreicht erst zum ende des 15. Jahrhundert Rom.


2 Die Villegiatura in Italien


Die einfachste und kürzeste Erklärung, die sich finden lässt ist: Villegiatura = Erholung auf dem Lande oder zeitweiliger Aufenthalt in der Villa.
„Man… ersteigt eine Anhöhe, um mit einem Blick die Stadt und ihr Tal, das ganz gerundete Becken rings um sie, zu umspannen: es gibt nichts freundlicheres, Wohlfahrt und Glück offenbaren sich überall. Tausende Landhäuser besäen Tal und Hänge mit ihren weißen Punkten, man sieht sie von Höhe zu Höhe bis an den Rand der Gipfel.“
In der Toskana liegt der Beginn der Villegiatura. Rund um die dortigen Städte bauten viele wohlhabende Bürger Italiens ihre Villen an und auf die Hänge der Berge. Auf Grund der Lage und der umliegenden Landschaft gehört Florenz mit zu den bedeutendsten Städten der Region. Weitere wichtige Städte sind Lucca, Pisa und Siena. Die Familie der Medici war besonders bekannt für ihre Villenbauten. (Villa Careggi, Villa Cafoggiolo, Villa del Trebbio) Nicht nur der Pracht wegen, in der diese Villen oft ausgestattet waren, sondern auch weil das in diesen Häusern stattfindende kulturelle Programm gelehrte aus der ganzen Region anzog, waren diese Landsitze sehr bekannt.
Wahrscheinlich war die Mehrzahl der Bürger um 1400 gleichzeitig Städter wie auch Landbesitzer und im glücklichsten Fall auch Villenbesitzer, wie die Leute an der Spitze der Wohlstandspyramide. Als Beispiel wieder die Familie Medici. Spätestens im 13. Jahrhundert wird die Villegiatura zu einem lebendigen Brauch. Aber auch schon vorher sind Villen und Besitztümer auf dem Land verzeichnet. Die ersten Landkäufe in der Region um Florenz sind im 10 Jahrhundert dokumentiert. Jedoch lässt sich der Baubeginn der ersten Villa erst in das 12 Jahrhundert datieren – rund 800 Jahre nachdem vermutlich die letzte römische Villa gebaut wurde. Mit der Abkapselung vom deutschen Kaiser verlor der Feudaladel seine Rechte über Grund und Boden. Der Lehnbesitz wurde frei. Die Bürger gingen aus Land zurück und die Villenkultur konnte sich von neuem verbreiten.


3 Die Flucht aus der Stadt


Die Entwicklung des Stadtlebens in Italien beginnt schon sehr früh und entwickelt sich sehr rasant. Im 14. und 15. Jahrhundert entsteht in der Bevölkerung der Stadt eine „sentimentale Sehnsucht nach den Freuden des Landlebens“ welche zu einem charakteristischen Merkmal des modernen städtischen Daseins wird. Aber nicht nur in Italien treten diese Erscheinungen auf, ja selbst die Römer in der Antike kannten diese Sehnsucht schon. Es entsteht ein verlangen sich in sein „ländliches Refugium“ zurückziehen zu können um dort für eine gewisse Zeit der Stadt zu entfliehen und friedlich und zugleich gepflegt zu leben. Ursprünglich ist die Villa ein Bauerngut, welches einer wohlhabenden Familie gehört. Durch dieses Gut wurde oft das Stadthaus versorgt und war dadurch unabhängig von Getreide, Öl und Wein. Die Villa Suburbana steht unmittelbar vor den Toren der Stadt und ist nur für kurze Aufenthalte und das gelegentliche Vergnügen am Landleben gedacht.


4 Was macht die Villa aus?


Die Villa liegt prinzipiell jenseits der Stadttore und ist immer in Privatbesitz eines Städters. In aller Regel ist das Grundstück mit Landwirtschaft verbunden jedoch nicht im Sinne eines Gutshofes, da es nur Zeitweilig bewohnt ist. Die Villa ist auch nicht zu verwechseln mit einer Burg oder einem Schloss das sie, wie schon gesagt, in Besitz eines Bürgers ist. Auch im Kampf um die Befreiung des Landes von der Herrschaft des Lehnadels ist die Villa ein wichtiges Instrument. In schwierigen Zeiten und Problemen in der Stadt, war die Villa aber auch Zufluchstätte um sich in Sicherheit zu wiegen, wie zum Beispiel der Ausbruch einer Pest oder bei Unruhen in der Stadt. Der Grundbesitz hob auch das Ansehen des Besitzers und adelte den Aufsteiger sozusagen. „Das Haus in der Stadt und die Villa auf dem Land wurden zu immer glänzenderen Aushängeschild und machten ihre Eigentümer Gesellschaftsfähig.“ Als Ort der Abgeschiedenheit, um zu studieren, Ruhe zu finden oder es sich einfach wohl gehen zu lassen war die Villa ein sehr beliebter Ort. Zu Beginn des 15 Jahrhunderts entsteht ein steigendes Bedürfnis sich mit Philosophie, Literatur und der bildenden Kunst zu befassen, welches durch die Medici in der Zeit der Villegiatura wesentlich geprägt wird. Die Villa bekommt eine weitere Eigenschaft als geistige und kulturelle Stätte des Tuns, Denkens und Schaffens. Die Villa und der dazugehörige Garten ersetzen die Klöster als kulturelles Zentrum. So rückte die Villa Careggi ab 1457 in den Mittelpunkt als Stätte der humanistischen Bewegung. Cosimo de Medici, der sich am Vorbild von Platon orientierte, lud viele bedeutende Künstler und Gelehrte seiner Zeit zu Gesprächen und Diskussionen dorthin ein. In dieser Zeit entsteht der erste „philosophische Garten“ – eine Akademie nach antikem Vorbild.


5 Bild und Merkmal der Villa


Die Villen der Toskana wurden gebaut für das Vergnügen am Landleben und sollten das kulturelle Ideal des ländlichen Lebens präsentieren.
Ein „ausgesprochener Wille zur Bescheidenheit betont die Grundelemente der Architektur wie Mauerflächen, Eckverstärkungen, die kubische Gesamtform, schützende Bedachung, ja sogar Wehrfunktion“ prägt das Bild der florentinischen Villa. Grundsätzlich hat die Villa im Gegensatz zum städtischen Palastbau nur ein Stockwerk über dem Erdgeschoss. Weitere Hauptkennzeichen waren die durchgehenden Wandflächen und die äußerste Zurückhaltung bei der Verwendung von Gliederungselementen. In der Regel sind Wandflächen nur von Fenster und Portalöffnungen durchbrochen. Ebenfalls wird oft das Horizontalband zur Kennzeichnung von Geschosshöhen unterbunden. Vertikalgliederungen treten erst in späterer Zeit auf, aber immer sehr zurückhaltend. Auch ein wichtiges Merkmal ist der meistens weit ausgebildete Dachüberstand und der Turm, welcher den toskanischen Villen ihren eigentlichen Charakter verleiht.


6 Villa Careggi


Die Villa Careggi besitzt einen demonstrativen Wehrcharakter, der jedoch nur noch als ästhetische Rüstung dient. 1427 von Lorenzo di Giovanni gekauft, erbt die Villa Cosimo il Vecchio und lässt diese durch Michelozzo im Jahr 1457 Um- und Neugestalten. Bei dieser Sanierung wird auf den exponierten Turm verzichtet und in die Fassade werden mehr und größere Fenster und Türen eingebaut. Des weitern wird ein zweigeschossiger Loggienanbau errichtet. Durch die Näher zur Stadt wird diese Villa der bevorzugte Aufenthaltsort von Cosimo, der dort seine bedeutende Bibliothek einrichtet und zahlreiche Kunstwerke ausstellt. Alle wichtigen Künstler verkehrten in diesem Haus, unter anderem Alberti, Michelozzo, Bertoldo und sogar Donatello. Vom einst berühmtesten Garten der Renaissance sind heute leider nur noch Spuren vorhanden, der sich heute als englischer Park präsentiert. Berühmt ist dieser Park aber nicht aufgrund seiner Schönheit sondern seiner historischen Rolle. Der Garten der Villa Careggi sollte entwickelt werden als blühende Stätte „philosophischer Diskussionen und ein Zentrum der humanistischen Bewegung.“ In Anlehnung an die Antike wurden Zypressen, Lorbeer, Buchs, Myrthen, Granatapfel- und Quittenbäume angepflanzt. Aber auch viele wohlriechende Kräuter, Sträucher und Blumen wie Lavendel oder Nelken fanden ihren Platz. Die Wege wurden mit Zitronen- und Orangenbäumen in Töpfen begleitet und an den umliegenden Hängen fanden Weinreben ihren Platz. Nach der Vertreibung der Familie Medici aus Florenz im Jahr 1494 wurde die Villa geplündert und verwüstet. Danach fand diese aber leider nie wieder in der Geschichte eine so hohe Bedeutung, wie sie einst hatte. Heutzutage ist die Villa der Verwaltungssitz des städtischen Krankenhausbezirks Careggi.


7 Villa Medici at Fiesol


Planung und Ausführung der Villa Medici at Fiesol lag ebenfalls in den Händen von Michelozzo. Er wurde von Cosimo dem Älteren beauftragt für seinen Sohn Giovanni diese Villa zu errichten. So entstand im Zeitraum von 1458 bis 1461 die erste Villa der Renaissance, die diesen Namen voll verdient. Diese Villa war eine der ersten, welche das kulturelle Ideal des Landlebens vom traditionellen Kontext der Farm oder des Schlosses trennt und eine unabhängige Architekturform entwickelt. Der Gedanke Giovanni war eine Villa zu errichten, welche eine Erneuerung der römischen Villenideals als Ort der Muße, Geselligkeit und des Studiums in heiterer Natur darstellen soll. Trotz vieler Umbauten in den darauf folgenden Jahrhunderten ist die Grundstruktur des Hauses weitestgehend erhalten geblieben. Das Gebäude ist eine quadratische Anlage mit Loggien in den jeweiligen Untergeschossen nach Westen und Osten. Dem Haus schließt sich ein lang gestreckter, terrassenartiger Villengarten an. Statt eines kleinen Hofes in der Mitte des Hauses findet sich hier ein Festsaal um den die kleinen Räume annähernd gleichmäßig angeordnet sind. Der Garten ist in Terrassen am steilen Berghang angelegt. Die Erreichbarkeit der Terrassen war zu beginn noch sehr unbeholfen gelöst. Tiefer gelegene Ebenen konnten nur über Umwege erreicht werden, zum Beispiel durch die Kellerräume. Mit der Entdeckung der vielfältigen Gestaltungs- und Verwendungsmöglichkeiten von Treppen und Rampen um 1500 erfährt der Garten nochmals eine Verbesserung. Nach dem Tot von Giovanni wurde die Villa der favorisierte Sitz von Lorenzo il Magnifico und seinem Humanistischen Kreis. Heute ist die Villa in privatem Besitz.


8 Literaturverzeichnis


Bödefeld, Gerda; Hinz, Berthold: Die Villen der Toscana und ihre Gärten. DuMont Buchverlag. Köln. 1991

Acton, Harold: Villen der Toscana. Benteli Verlag. Bern. 1973

Lorck, Carl von: Kastelle - Paläst - Villen in Italien. Verlag Wolfgang Weidlich. Frankfurt am Main. 1961

Van der Ree, Paul; Smienk, Gerrit; Steenbergen, Clemens: Italian Villas and Gardens. Prestel-Verlag. 1993

Sciolla, Gianni C.: Italien klassische Reiseziele – Die Medici-Villen in der Toskana. Atlantis. 1989

Murray, Peter: Die Architektur der Renaissance in Italien. Verlag Gerd Hatje. Stuttgart. 1980

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